Textilarbeiter-Proteste in Bangladesch Deutsche Welle In Bangladesch arbeiten rund 2,5 Millionen Menschen in den Textilfabriken. Die Branche steuert 80 Prozent der Exporte des südasiatischen Landes bei.
Die kleine Volksrepublik Bangladesch - (People's Republic of Bangladesh) gehört zu den dichtbesiedeltesten Länder der Welt und besitzt eine parlamentarische Demokratie mit reinem Mehrheitswahlrecht, liegt südlich am Golf von Bengalen und grenzt im Westen, im Norden und im Osten an Indien.
Commonwealth_of_Nations, 1972
VN (Vereinte Nationen) und Sonderorganisationen
Weltbank Gruppe.
IWF (Internationaler Währungsfonds)
ADB (Asiatische Entwicklungsbank)
IDA (Internationale Entwicklungsorganisation)
Blockfreienbewegung,
Konferenz Islamischer Staaten,
SAARC (South Asian Association for Regional Cooperation)
AA: Bangladesch - Informationen über die bilaterale Beziehungen zwischen Bangladesch und Deutschland.
a&r Reiseführer - Bangladesch - Aktuelle Tipps von "abenteuer und reisen" zu Unterkunft, Essen und Trinken, Verkehrsmitteln, Geld, Gesundheit und mehr.
Bangladesh IT Business Center - Die Berliner Unternehmung fördert bilaterale Beziehungen zu Bangladesch. Angaben zur Firma und ihren Tätigkeiten sowie einige Landesinformationen.
BMZ - Bangladesch - Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung informiert über das Land und die bisherige Zusammenarbeit.
Botschaft von Bangladesch, Berlin - Vorstellung des Landes und seiner Politik. Mit touristischen Hinweisen, Angaben zur Botschaft und einem elektronischen Newsletter.
Deutsche Botschaft Dhaka - Informationen über die Botschaft, Deutschland im Allgemeinen, die Beziehungen zwischen Deutschland und Bangladesch, deutsche Firmen, Visarecht und Hilfe für Deutsche.
Flagge Bangladesch - Der Flaggen-Server.de stellt die Staatsflagge vor und gibt Kurzinformationen über das Land.
Südasien-Info: Bangladesch - Das Informationsportal zu Südasien informiert mit Nachrichten, Analysen und Kommentaren über Bangladesch.
Wikipedia-Bangladesch - Informiert wird über Geografie, Staat, Geschichte und Wirtschaft.
Dargestellt wird nur ein Auszug aus der entsprechenden Kategorie, hier finden Sie die komplette Kategorie.
Artikel
Bangladesch (Bengalisch: , ) ist ein Staat in Südasien. Er grenzt im Süden an den Golf von Bengalen, im Südosten an Myanmar und wird sonst von Indien umschlossen. Er nimmt den östlichen Teil der historischen Region Bengalen ein, der 1947 aufgrund der muslimischen Bevölkerungsmehrheit von Indien abgespalten und unter der Bezeichnung Ostpakistan zum Bestandteil Pakistans wurde. 1971 erlangte Ostpakistan infolge des Bangladesch-Krieges unter dem Namen Bangladesch seine Unabhängigkeit. Bangladesch bedeutet in der Landessprache „Land der Bengalen“.
Geographie
Bangladesch grenzt an die indischen Bundesstaaten Westbengalen, Assam, Meghalaya, Tripura und Mizoram (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen), sowie an Myanmar und den Golf von Bengalen (Teil des Indischen Ozeans). Die Gesamtlänge der Grenze beträgt 4.246 km, davon mit Myanmar 193 km und mit Indien 4.053 km. Die Küstenlänge beträgt 580 km.
Der größte Teil Bangladeschs wird vom Deltabereich der Flüsse Brahmaputra, Ganges und Meghna gebildet; ein von vielen Wasserläufen durchzogenes ebenes Gebiet, das häufig von Überschwemmungen bedroht ist, da die großen Flüsse aufgrund der Abholzungen im Himalaya immer öfter große Wassermassen führen müssen. Die Hauptstadt Dhaka liegt nur sechs Meter über NN. Bei einem Meeresspiegelanstieg um einen Meter würden ohne Küstenschutzmaßnahmen 25.000 km² Landfläche (17 Prozent der gesamten Fläche von Bangladesch) überschwemmt werden.Robert J. Nicholls: [http://www.survas.mdx.ac.uk/pdfs/nicholls.pdf Synthesis of vulnerability analysis studies] (PDF, 1,1 MB). In: Ministry of Transport, Public Works and Water Management, the Netherlands (Hrsg.): Proceedings of WORLD COAST 1993. 1995, S. 181-216 Nach den gängigen Szenarien ist jedoch ein wesentlich geringerer Meeresspiegelanstieg zwischen 18 und 59 cm wahrscheinlich, dessen Folgen sich mit effektiven Küstenschutzmaßnahmen, deren Kosten etwa 0,1% des BIP betragen, vermeiden lassen.Robert J. Nicholls und Richard Tol: Impacts and responses to sea-level rise: a global analysis of the SRES scenarios over the twenty-first century. In: Phil. Trans. R. Soc. A, Volume 364, Number 1841, April 2006, S. 1073-1095. Im Mündungsbereich des Ganges und Brahmaputra erstrecken sich über weite Teile entlang der Küste die Mangrovengebiete der Sundarbans. Aufgrund des flachen, breiten Küstenstreifens vor Bangladesch verlief sich die Wucht des Tsunamis infolge des Erdbebens im Indischen Ozean 2004 fast vollständig vor der Küste.
Das Klima Bangladeschs ist tropisch mit zunehmenden Niederschlägen von West nach Ost. Bangladesch liegt im Einflussbereich des Südwest-Monsuns, so dass durchschnittlich 1.500 bis 2.250 mm Jahresniederschlagssumme erreicht werden. Im Osten, am Fuß der Tripura-Lushai-Berge, fallen 3.000 bis 4.000 mm (siehe Klimadiagramm Chittagong). Dort befindet sich mit dem Mowdok Mual die höchste Erhebung Bangladeschs (1003 m). Mehr als die Hälfte der Jahresniederschläge entfällt auf die Monate Juni bis August. Im März/April und im Oktober kommt es häufig zu tropischen Wirbelstürmen über dem Golf von Bengalen, die oft katastrophale Folgen haben, da die damit verbundenen Fluten weite Teile des Landes überschwemmen. Die ursprüngliche Waldvegetation ist weitgehend vernichtet, die außerordentlich hohe Bevölkerungsdichte von 1.066 Einwohner/km² (die höchste aller Flächenländer) hat zu einer umfassenden Umwandlung in Ackerland geführt, auf dem überwiegend Reis angebaut wird.
Umwelt
Bezogen auf die Zahl der betroffenen Menschen ist die Küstenregion Bangladeschs die weltweit am stärksten von der globalen Erwärmung betroffene Region. 15 Millionen Bewohner im flachen Schwemmland von Bangladesch am Ganges-Delta sind vom Meeresspiegel-Anstieg betroffen. Wirbelstürme wie Zyklon Sidr im November 2007 fordern immer mehr Opfer. Verschärfend wirkt sich für die Mangrovenwälder des Sundarbarns-Nationalpark aus, dass durch Staudämme am Oberlauf des Ganges nicht mehr genügend Süßwasser ankommt. Der steigende Salzgehalt schädigt die Mangroven.
Bevölkerung
Mit 153 Millionen Einwohnern (Stand: 2008) steht Bangladesch in der Liste der Landesbevölkerungen an siebter Stelle und ist mit einer Bevölkerungsdichte von mehr als 1000 Menschen je Quadratkilometer der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt. Lange Zeit hatte Bangladesh eine hohe Geburtenrate. Durch Selbsthilfeinitiativen der Bevölkerung jedoch die von Entwicklungshilfeorganisationen unterstützt wurden, gelang es, die Total Fertility Rate (TFR) zwischen 1979 und 1999 von 7,0 auf 3,3 Kinder pro Frau zu senken.
Umfragen von 1999 haben jedoch gezeigt, dass die Menschen in Bangladesh weit mehr Kinder bekamen, als sie sich eigentlich wünschten, denn sie wünschten sich im Durchschnitt nur 2,3 Kinder, jedoch brachte jede Frau durchschnittlich 3,3 Kinder zur Welt. Der Grund dafür war in der in Bangladesh weit verbreiteten Armut zu suchen, durch die sich die Frauen keinen Zugang zu sicheren und wirksamen Methoden der Familienplanung hatten.DSW-Info: [http://www.dsw-online.de/pdf/fs_rh.pdf Menschenrecht Familienplanung]
2009 lag die Total Fertility Rate bei 2,5 Kindern pro Frau.Länderdatenbank der "Deutschen Stiftung Weltbevölkerung"
Im Jahr 2009 lebten 25 Prozent der Bevölkerung in den Städten.
Verteilung
In fast allen Landesteilen liegt die Bevölkerungsdichte über 500 Einwohner/km². Nur in den Distrikten um Chittagong (außer Cox's Bazar) liegt sie zwischen 75 Einwohner/km² und 500 Einwohner/km². Zu den Gebieten mit der höchsten Bevölkerungsdichte zählen Narsingdi und Narayanganj mit über 2.000 Einwohner/km² und die Hauptstadt Dhaka mit mehr als 7.000 Einwohner/km².
Völker und Sprachen
Im Gegensatz zu den anderen Staaten Südasiens ist Bangladesch ethnisch relativ einheitlich. Etwa 98 Prozent der Bevölkerung sind Bengalen mit Muttersprache Bengali. Unter der Mittel- und Oberschicht ist Englisch als Bildungssprache weit verbreitet. Zu den wenigen Minderheiten gehören die Bihari (1 Prozent), die aufgrund religiöser Konflikte infolge der Teilung Britisch-Indiens bei dessen Unabhängigkeit aus Bihar in das damalige Ostpakistan kamen. Sie sprechen zumeist Urdu. Daneben gibt es in den Chittagong Hill Tracts im Südosten und im Norden des Landes matriarchalische Minderheiten, meist tibetobirmanischer Abstammung und Sprache.
Religion
Der Großteil der Bevölkerung, rund 90 Prozent, bekennt sich zum Islam, gefolgt vom Hinduismus mit etwa neun Prozent und dem Buddhismus mit weniger als einem Prozent. Der Islam ist Staatsreligion. Dem Christentum gehören etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung an.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts, als noch 33,9 Prozent der Bevölkerung Hindus waren, und besonders seit der Unabhängigkeit von Indien ist der Anteil der Hindus stark zurückgegangen und beträgt heute nur noch etwa 40 Prozent des Anteils von 1951 und 30 Prozent von 1941. Grund dafür sind vor allem Flucht und Vertreibung der Hindus. Im Jahre 1971 gab es Massaker an Hindus, Maximalschätzungen sprechen von bis zu drei Millionen Toten. Im Jahre 1941, bevor fast vier Millionen Hindus nach Indien flohen, betrug der Anteil der Hindus noch 28 Prozent.
''Siehe auch: Buddhismus in Bangladesch; Römisch-katholische Kirche in Bangladesch
Soziales
Banglasdesh ist (Stand 2004) noch immer ein Entwicklungsland, doch hat es in den vergangenen 25 Jahren beachtliche Fortschritte erreicht. Dazu haben unbestreitbar nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen beigetragen. In diesen Organisationen haben sich Bengalen zusammengeschlossen, um die Armut zu bekämpfen und größere Gerechtigkeit in ihrem Land zu schaffen. Unterstützung erhielten und erhalten sie unter anderem von Entwicklungshilfeorganisationen aus dem Ausland.Redebeitrag von Peter Dietzel (Peter Dietzel ist Koordinator für Projekte und Öffentlichkeitsarbeit von NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V.) auf der Jubiläumsveranstaltung am 15. Mai 2004 in Wetzlar
Bildung
In Bangladesch sind viele Erwachsene, insbesondere Frauen, Analphabeten. 2007 gab es 45 Schüler pro Grundschullehrer.[http://stats.uis.unesco.org/unesco/TableViewer/document.aspx?ReportId=121&IF_Language=eng&BR_Country=500 UNESCO Institute for Statistics: Statistics in Brief], abgerufen am 22. Dezember 2009 (englisch). Lediglich eine Minderheit der entsprechenden Altersgruppe ist in tertiärer Bildung.
Gesundheit
Die weibliche Lebenserwartung bei der Geburt betrug 2007 66,7 Jahre und die männliche 64,7. Human Development Reports.org: [http://hdrstats.undp.org/en/countries/data_sheets/cty_ds_BGD.html Bangladesh HDI Rank - 146] Ein hoher Anteil der Kleinkinder in Bangladesch ist untergewichtig.
Die Regierungsausgaben für die Gesundheit betrugen 2006 26 US-Dollar (Kaufkraftparität) pro Person.
Die HIV-Infektionsrate ist niedrig.
Die Kindersterblichkeit konnte stark gesenkt werden. 1979 lag sie noch bei 21 Prozent der Kinder, die vor ihrem 5ten Geburtstag sterben, im Jahr 2004 waren es nur noch 8 Prozent.
Geschichte
Unabhängigkeit: Proklamation 26. März 1971, anerkannt am 16. Dezember 1971 (ehem. Teil von Britisch-Indien; ab 1947 Teil von Pakistan)
Bangladesch (Land der Bengalen, bangla = bengalisch + desh = Land) bildete bis 1947 einen Teil Britisch-Indiens. Nach der Teilung des Landes in einen mehrheitlich hinduistischen, säkularen Staat (Indien) und einen muslimischen Staat (Pakistan) wurde das ebenfalls überwiegend islamische Ost-Bengalen Pakistan zugeschlagen, von dem es geographisch durch Indien getrennt war. Trotz der gemeinsamen islamischen Religion trennten Westpakistan und Ostpakistan aber nicht nur sprachliche und kulturelle Verschiedenheiten. Der fruchtbare Osten erzielte mit seinen Jute- und Reisexporten Überschüsse, die fast ausschließlich dem Westflügel zugute kamen, wo sie wiederum vorrangig für das Militär ausgegeben wurden. Insbesondere im pakistanisch-indischen Kaschmirkrieg im Jahr 1965 wurde deutlich, dass einerseits Westpakistan keinerlei Anstrengungen zur militärischen Sicherung Ostpakistans unternahm, andererseits die Kaschmirfrage in Ostpakistan kaum auf Interesse stieß. Zudem waren Bengalen sowohl im Militär als auch in der Staatsverwaltung stark unterrepräsentiert. Scheich Mujibur Rahman, der charismatische Führer der ostpakistanischen Awami-Liga, forderte deshalb weitestgehende Autonomie für Bengalen (Ostpakistan). Nach dem Rücktritt von Präsident Mohammed Ayub Khan 1968 sah sein Nachfolger General Yahya Khan keine Alternative zur Ausschreibung der ersten freien Wahlen in Gesamtpakistan seit der Staatsgründung. Angesichts des Erdrutschsieges der Awami-Liga im Osten, der durch die Unzufriedenheit mit der Zentralregierung nach dem verheerenden Zyklon im November 1970 mit beeinflusst wurde, und der Bevölkerungsverhältnisse in beiden Landesteilen hätte dies zu einer Awami-Regierung für den Gesamtstaat führen müssen. Die stieß in Westpakistan vor allem beim dortigen Wahlsieger Zulfikar Ali Bhutto und der pakistanische Armee auf Widerstand. Sie entschlossen sich zu einer blutigen Unterdrückung der separatistischen Bestrebung, die vor allem auf eine Eliminierung der bengalischen Eliten hinauslief. Nur einen Tag nach der Machtübernahme der Armee proklamierte Mujibur Rahman die Unabhängigkeit des Landes. Eine endgültige Entscheidung konnte aber erst durch ein Eingreifen Indiens in Ostpakistan, das sich für den Freiheitskampf der Bengalen stark gemacht hatte, herbeigeführt werden (3. – 16. Dezember 1971). Am 17. Dezember 1971 erlangte Ost-Pakistan schließlich auch völkerrechtlich die Unabhängigkeit, und gab sich den Namen Bangladesch.
Nach Darstellung der Regierung von Bangladesch kostete der Unabhängigkeitskrieg drei Millionen Bengalen das Leben und mehr als 20 Millionen Flüchtlinge flohen nach Indien. Viele Inder sehen die unermessliche Zahl an Flüchtlingen nach Nordostindien als eigentlichen Grund für das indische Eingreifen in den Konflikt. Ab dem Frühjahr 1972 wurde Bangladesch nach und nach von der Mehrheit der Staatengemeinschaft anerkannt; Pakistan erkannte das Land im Februar 1974 an.
Nach seiner Unabhängigkeit wurde Bangladesch eine parlamentarische Demokratie mit Mujib als Premierminister. 1973 gewann die Awami-Liga die absolute Mehrheit. 1973, 1974 und Anfang 1975 traten landesweit Hungersnöte auf. Mujib führte ein Ein-Parteien-Regime ein und benannte die Awami-Liga in BAKSAL um. Am 15. August 1975 wurden Mujib und seine Familie bei einem Militärputsch umgebracht. In den nächsten drei Monaten folgten eine Reihe von Putschen und Gegenputschen, bis General Ziaur Rahman an die Macht kam. Er führte wieder ein Mehr-Parteien-System ein und gründete die BNP (Bangladesh Nationalist Party). Zia wurde 1981 von Militärs umgebracht. Etwas später kam General Hossain Mohammad Ershad bei einem unblutigen Staatsstreich an die Macht. Er regierte bis zu einem Volksaufstand 1990. Seit diesem Zeitpunkt ist Bangladesch zur parlamentarischen Demokratie zurückgekehrt. Zias Witwe Khaleda Zia errang mit der BNP 1991 und 2001 Wahlsiege und war von 1991 bis 1996 und von 2001 bis 2006 Regierungschefin. Von 1996 bis 2001 war Hasina Wajed, eine überlebende Tochter von Mujib und Führerin der Awami-Liga, Regierungschefin. Dieses Amt hat sie seit 2009 wieder inne.
In Bangladesch gibt es massive Korruption, Unordnung und politische Gewalt.
In jüngster Vergangenheit macht Bangladesch wegen einer umstrittenen Parlamentswahl von sich reden, die im Januar 2007 stattfinden sollte. Anfang Januar kam es zu so schweren Unruhen unter Führung der oppositionellen Awami-Liga, dass Staatspräsident Iajuddin Ahmed am 11. Januar den Ausnahmezustand über das Land verhängte. Eine Übergangsregierung unter dem Ökonomen Fakhruddin Ahmed übernahm die Amtsgeschäfte. Ein neuer Wahltermin wurde zunächst nicht festgesetzt. Aus Regierungskreisen hieß es, dass die Übergangsregierung zunächst Reformen durchführen wolle, um freie und faire Wahlen zu garantieren. Außerdem solle die Korruption bekämpft werden. Seit dem 11. Januar wurden in ganz Bangladesch fast 100.000 Menschen verhaftet. Unter den Verhafteten waren viele Spitzenpolitiker, wie der Sohn der ehemaligen Premierministerin Khaleda Zia (BNP). Er gilt als einer der korruptesten Politiker des Landes.
Obwohl die Notstandsregierung in der Bevölkerung gewisse Popularität erlangen konnte, formierten sich im August 2007 Studentenproteste, die bald auf das ganze Land übergriffen. Ende August sah sich die Regierung daher gezwungen, eine Ausgangssperre zu verhängen.
Zu Neuwahlen kam es am 30. Dezember 2008, die die Awami-Liga unter Sheik Hasina Wajed deutlich gewann. Sie verfügt nun über mehr als dreiviertel der Sitze im Parlament.
Politik
Das Parlament im Gebäude Jatiya Sangsad Bhaban (deutsch: „Haus der Nationalversammlung“) hat 330 Abgeordnete, von denen 300 direkt gewählt werden, 30 Sitze sind für Frauen reserviert. Parlamentswahlen finden alle fünf Jahre statt. Das allgemeine Wahlrecht gilt ab 18 Jahren.
Regierungschef des Landes ist der Premierminister, der vom Parlament gewählt wird. Der Präsident übernimmt als Staatsoberhaupt zeremonielle Aufgaben. Er wird ebenfalls vom Parlament auf fünf Jahre gewählt. Es ist eine einmalige Wiederwahl möglich.
Staatsoberhaupt: Zillur Rahman, seit 12. Februar 2009
Regierungschefin: Sheikh Hasina Wajed, seit 6. Januar 2009
Außenminister: Dipu Moni, seit 6. Januar 2009
Parteien, Wahlen zum Parlament vom 30. Dezember 2008: Awami League/AL 231 von 300 Sitzen (2001: 62), Bangladesh Nationalist Party/BNP 30 (193), Jatiya Party (Ershad) 25 (14), Jatiya Samajtantric Dal 3 (1), Jamaat-e-Islami 2 (17), Bangladesh Workers Party 2 (1), Jatiya Party (Naziur)/BJP 1 (4), Liberal Democratic Party 1 (-), Unabhängige 4 (6).
Nationalfeiertage: 26. März, 16. Dezember
Verfassung
Nach der Verfassung von 1972 (letztmalig geändert 2004) ist Bangladesch eine Republik mit einem Einkammerparlament. Nach der Verfassung in der jetzigen Version ist der Islam Grundlage und Richtschnur allen Handelns. Der Verfassungsartikel Nr. 8 “Fundamentale Prinzipien” wurde im Jahr 1977 ergänzt durch den Zusatz: “Absolute trust and faith in the Almighty Allah shall be the basis of all actions." (Das absolute Vertrauen und der Glauben an den Allmächtigen Allah soll die Basis allen Handelns sein.)
Außenpolitik
Seit sechs Jahren baut Indien an einem mit Stacheldraht gesicherten Grenzwall, welcher die 4.000 km lange Grenze gegen illegale Migration aus Bangladesch abriegeln soll. In Indien leben nach Schätzungen etwa 20 Millionen Bangladescher.
Verwaltungsgliederung
Bangladesh ist in sieben Verwaltungseinheiten (Divisions), die wiederum in 64 Bezirke (Districts) untergliedert sind, aufgeteilt. Die Divisions sind:
Barishal
Chittagong
Dhaka
Khulna
Rajshahi
Rangpur
Sylhet
Städte
Die Hauptstadt Dhaka, vor Chittagong und Khulna die größte Stadt des Landes, hatte bei der Volkszählung am 22. Januar 2001 in der eigentlichen Stadt 5.378.023 Einwohner (9.912.908 in der Agglomeration). Heute wird die Zahl der Bewohner auf etwa 12 Millionen geschätzt. Fast die Hälfte von ihnen lebt in Elendsvierteln. Dhaka gehört als eine der am schnellsten wachsenden Städte weltweit zu den Megastädten.
Die größten Städte sind (Volkszählung 2001):
Dhaka: 5.378.023 Einwohner
Chittagong: 2.095.846 Einwohner
Khulna: 773.216 Einwohner
Rajshahi: 383.655 Einwohner
Sylhet: 285.308 Einwohner
Siehe auch: Liste der Städte in Bangladesch
Militär
Die Streitkräfte Bangladeschs umfassen rund 125.500 Soldaten. Rund 8.000 Soldaten sind hierbei im Einsatz als Friedenstruppen der Vereinten Nationen, damit rangiert Bangladesch hinter Pakistan an zweiter Stelle.
Die eingesetzten Soldaten gelten weitgehend als diszipliniert und zuverlässig, mehrmals wurde militärisches Führungspersonal aus Bangladesch zu Kommandeuren von Friedensmissionen ernannt. Bangladesch bezieht jährlich 200 Millionen US-Dollar an Rekompensation für diese Einsätze (Stand 2006), dies stellt eine wichtige Einkommensquelle für das Land und die Streitkräfte dar. Weiterhin gilt das daraus entstehende Interesse der Streitkräfte Bangladeschs an einer guten Beziehung zur UN als ein innenpolitisch wichtiger stabilisierender Faktor.
Wirtschaft
Bangladeschs Wirtschaft ist, wie in vielen anderen ärmeren Staaten, auf solidem Wachstumskurs. In den letzten Jahren bewegte sich das Wirtschaftswachstum bei 5 %, 2005 erreichte es 6,2 %.
Nach wie vor ist die Bedeutung der Landwirtschaft sehr groß, arbeiten doch 56 % aller Erwerbstätigen in ihr; der Beitrag zum BIP beläuft sich jedoch nur auf 23 %, während die Industrie 25 % und der Dienstleistungssektor 52 % erwirtschaften.
Die Hauptprodukte der Landwirtschaft sind Reis und Jute. Von wachsender Bedeutung sind Weizen, Mais und Gemüse. Weitere Produkte sind Zuckerrohr, Holz und Tee. Jute war ein bedeutendes Exportprodukt, doch sie wird als Verpackungsmaterial zunehmend von Kunststoffen verdrängt.
An eigenen fossilen Energieträgern besitzt Bangladesh Erdgas und Kohle.
Die Industrie in Bangladesh erzeugt Textilien, Jute und Juteprodukte, Leder, Lederprodukte und Keramik.
Die international operierende Fluggesellschaft Biman Bangladesh Airlines gehört zu 100 % dem Staat.
Mit einem BIP pro Kopf von etwa 460 US-Dollar im Jahr 2007 gehört Bangladesch zu den ärmsten Ländern der Erde. Bangladesch nimmt den 140. Platz von 177 Ländern beim Human Development Index ein.
Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. Bangladesch liegt auf Platz 139 von 180 im Corruption Perceptions Index 2009, der von Transparency International veröffentlicht wird.
Außenhandel
Im Jahr 2000 wurden für 8,403 Milliarden US-Dollar Waren importiert und für 5,762 Milliarden US-Dollar exportiert, so dass die Außenhandelsbilanz einen negativen Saldo von 2,641 Milliarden US-Dollar aufwies. Hauptexportgut sind mit einem Anteil von über 75 % Textilien.
Kennzahlen
Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:
Staatshaushalt
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 16,3 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 11,4 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,3 % des BIP.[https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/bg.html The World Factbook]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 35,2 Mrd. US-Dollar oder 38,2 % des BIP.
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Gesundheit:Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4 3,2 %
Bildung: 2,7 % (2005)
Militär: 1,5 %
Infrastruktur
Die Infrastruktur Bangladeschs ist in einem unsoliden Zustand, unter anderem durch häufige und starke Überschwemmungen während der Monsunzeit. Das Straßennetz hat eine Länge von 222.990 Kilometern, davon sind 15,7 Prozent (35.038 Kilometer) befestigt. Das Schienennetz des Staates umfasst 2706 Kilometer (Stand: 1995). Es gibt drei internationale Flughäfen (Dhaka, Chittagong und Sylhet) und zwei Seehäfen (Chittagong, Mongla).
Kultur
Die Filmindustrie Bangladeschs hat ihr Zentrum in der Hauptstadt Dhaka. Vor der Teilung Indiens im Jahre 1947 wurden Filme in bengalischer Sprache meist in Kolkata (Kalkutta) produziert. Der größte Teil der bangladeschischen Filmproduktion sind Unterhaltungsfilme im typischen südasiatischen Stil mit Tanz- und Gesangseinlagen. Zu den von Kritikern meistbeachteten Filmemachern gehören Zahir Raihan, Alamgir Kabir, Humayun Ahmed, Tanvir Mokammel und Tareque Masud. Seit 2003 reicht das Land Filme für die Wahl zum Oscar für den besten fremdsprachigen Film ein.